Vergütung/Tantieme

Die Vergütung von Prokuristen ist ein wichtiges Thema. Sie sind schließlich einer der wesentlichen Dreh- und Angelpunkte in ihrem Unternehmen. Durch ihren hohen Gestaltungsspielraum und ihren Möglichkeiten, einen eigenen Fußabdruck zu hinterlassen, ist das Berufsbild von Prokuristen ausgesprochen attraktiv. Allerdings müssen Sie für Ihre Entscheidungen auch haften!

Dieses hohe Risiko sollte sich auch in Ihrem Gehalt widerspiegeln, damit sich Ihr Einsatz und Ihre Entscheidungsstärke nicht nur für Ihr Unternehmen, sondern auch für Sie persönlich lohnen. Doch Vorsicht, gerade beim Thema Vergütung von Prokuristen lauern Fallstricke, auf die Sie achten müssen. Damit es nicht zu Meinungsverschiedenheiten oder Auseinandersetzungen vor Gericht kommt, müssen Sie darauf bestehen, dass Ihr Arbeitsvertrag oder vertragliche Zusatzvereinbarungen keine unmissverständlichen Punkte beinhalten. Wir haben für Sie alle Informationen aufbereitet, damit Sie die Vergütung bekommen, die Ihrer Position angemessen ist. Und damit Sie Ihr Wunschgehalt auch durchsetzen, finden Sie zum Schluss einen kurzen Leitfaden, wie Sie Gehaltsverhandlungen zu Ihren Gunsten entscheiden.

 

Tantieme

Als Prokurist stehen Sie in der Firmenhierachie und im Verantwortungsbereich ganz oben. Der geltende Tarifabschluss kann daher für die Vergütung von Prokuristen nur das untere Limit Ihrer Gehaltsverhandlung sein. Durch ihre hervorgehobene Position können Sie erwarten, über dem Tarif bezahlt zu werden. Damit sollten sie sich aber nicht zufrieden geben. Bestehen Sie auf einer zusätzlichen erfolgsabhängigen Vergütung. Sogenannte Tantiemenregelungen haben in deutschen Unternehmen Hochkonjunktur: So erhalten ca. 80 % der leitenden Angestellten neben ihrem Festgehalt eine variable Vergütung. Die Tantiemevereinbarung schließen Sie zu Beginn des Wirtschaftsjahres mit ihrem Arbeitgeber im Voraus ab. Generell müssen Sie auf die Einhaltung der 50% Regelung achten, damit das Finanzamt ihre Tantieme nicht als verdeckte Gewinnausschüttung wertet. Wir erklären Ihnen die zwei gängigsten Tantieme Regelungen und zeigen, worauf sonst bei der Vergütung von Prokuristen geachtet werden muss.

1. Gewinntantieme – Regeln Sie die Bemessungsgröße eindeutig

Bei dieser Form der Tantieme sind besonders klare Regelungen wichtig. Legen Sie Wert darauf, dass die Bemessungsgrundlage unmissverständlich ist. Außerdem muss das Fälligkeitsdatum eindeutig definiert sein.

Wir haben für Sie eine Musterformulierung recherchiert, die sich häufig in Arbeitsverträgen leitender Angestellter finden lässt:

Herr oder Frau… erhält neben den festen Vergütungsbestandteilen eine Tantieme. Die Höhe der Tantieme orientiert sich am Geschäftsergebnis und wird von der Geschäftsleitung festgelegt. Sie beträgt mindestens 1,5 % des ausgewiesenen Gewinns. Sie ist fällig jeweils bis zum Ende des übernächsten der endgültigen Feststellung des Jahresergebnisses folgenden Monats. Spätestens zwei Wochen vor diesem Fälligkeitszeitpunkt ist Frau/Herr … über die konkrete Höhe der Tantieme schriftlich zu informieren.

2.    Garantietantieme – Sichern Sie sich gegen Gewinneinbrüche ab

Eine echte Alternative zur Gewinntantieme stellt die Garantietantieme dar. Bei der Garantietantieme vereinbaren Sie eine eindeutige Mindest- und/oder Höchstgrenze. Vorteil dieser Regelung ist, dass Ihnen bei möglichen Gewinneinbrüchen des Unternehmens, im Zuge einer großen Investition zum Beispiel, dennoch eine Tantieme zusteht.

Hier eine mögliche Formulierung zu dieser Form der Tantieme:

Herr oder Frau… erhält neben den festen Vergütungsbestandteilen eine Tantieme. Sie beträgt mindestens …% vom Festgehalt, mindestens aber…€. De Tantieme beträgt allerdings höchstens …€.

Achten Sie auf Bezugsgrößen

Selbstverständlich können Sie die variable Vergütung an anderen Bezugsgrößen als dem Gehalt oder dem Unternehmensgewinn festmachen. Je nach Tätigkeitsbereich in ihrem Unternehmen oder der Branche, kommen unterschiedliche Bezugsgrößen in Betracht. Arbeiten Sie zum Beispiel als Marketing- oder Vertriebsleiter, kann es für Sie Sinn machen, dass Sie über die Provision an der Akquise von Neukunden beteiligt werden. Außerdem kann die Gründung einer Niederlassung, der Aufbau einer neuen Abteilung oder auch der erfolgreiche Abschluss eines Projekts als Bezugsgröße in Frage kommen. So abwechslungsreich das Berufsbild von Prokuristen ist, so unterschiedlich können auch die abhängigen Beteiligungsformen sein.

Eine mögliche Vertragsformulierung könnte zum Beispiel so aussehen:

Herr oder Frau… erhält neben den festen Vergütungsbestanteilen für die Gewinnung von Neukunden eine Provision von …% vom Gesamtumsatz des von ihm/ihr akquirierten Kunden.

 

Praxisfall und aktuelles Urteil

Dass das Zugeständnis einer Tantieme nicht zwingend bedeutet, dass das Unternehmen diese dann auch leisten möchte, zeigt das typische Beispiel einer Prokuristin aus Köln, die in ihrem Unternehmen den Bereich Personal verantwortet. Dieser Fall wurde von dem Landesarbeitsgericht Köln entschieden.

Die Prokuristin hatte in ihrem Arbeitsvertrag folgende Tantiemeregelung mit der Geschäftsführung vereinbart:

Bei guter Geschäftslage wird Frau… eine Tantieme gezahlt, die zum jeweiligen Zeitpunkt von der Geschäftsführung festgelegt wird.

Die Geschäfte liefen gut und in den ersten Arbeitsjahren der Prokuristin hielt sich die Geschäftsführung an die vertragliche Vereinbarung. Die Klägerin erhielt als durchschnittliche Tantieme 2 Monatsgehälter. Nach einigen Jahren wollte das Unternehmen aber keine Tantieme mehr auszahlen, obwohl sich die Geschäfte noch besser entwickelten als in den Anfangsjahren. Das Unternehmen verwies darauf, dass die Höhe der Tantieme für das Vorjahr noch nicht festgesetzt und ein Beschluss hierüber auch nicht beabsichtigt sei. Ohne Beschluss könne die Prokuristin natürlich auch keine Tantieme beanspruchen.

Die Prokuristin klagte und das Landesarbeitsgericht gab der Arbeitnehmerin recht: Das Unternehmen wurde zu einer Tantiemezahlung in Höhe von zwei Monatsgehältern verurteilt. Die Richter bemängelten, dass die Tantiemeregelung „wachsweich“ sei und zum Zeitpunkt der Zahlung der Tantieme wie auch der Höhe keine konkreten Angaben enthalte.

Praxistipp

Dieser reale Fall zeigt Ihnen, dass ihre Tantiemevereinbarung so exakt und konkret wie möglich formuliert sein muss. So bleibt Ihnen Ärger erspart. Als Prokurist sollten Sie auf folgende Punkten achten, damit Sie von der Geschäftsführung nicht ausgetrickst werden:

  • Regeln Sie die Art der Tantieme.
  • Legen Sie unmissverständlich und so genau wie möglich die Bemessungsgrundlage für die Tantieme fest (körperschaftssteuerpflichtiger Gewinn nach Verrechnung etwaiger Verlustvorträge und Vorabzug der Tantieme).
  • Vereinbaren Sie die Höhe der Tantieme (als Beispiel ein bestimmter Prozentsatz des Jahresgewinns des Unternehmens).
  •  Legen Sie ein konkretes Fälligkeitsdatum fest, damit sich die Tantiemezahlung nicht verzögert („die Tantieme wird innerhalb eines Monats nach Feststellung der Bilanz ausgezahlt“).

 

Gehaltsverhandlungen

Damit sich dieses Wissen für Sie im Gehalt auszahlt, haben wir einen kurzen Leitfaden für Ihre nächste Gehaltsverhandlung erstellt. Die Vergütung von Prokuristen in Deutschland ist variabel und spiegelt die Größenverhältnisse der Unternehmen wider. Ein Punkt ist jedoch bei fast allen gleich: Der variable Anteil der Gewinnprämie beträgt zwischen 15 und 25% des jährlichen Gesamteinkommens. Außerdem dürfen sich fast 75% der Prokuristen über einen Dienstwagen freuen. So weit zu den allgemeinen Fakten. In einer Woche steht ihr Jahresgespräch mit der Geschäftsführung an. Sie sind mit ihrem Gehalt nicht mehr zufrieden und möchten die Gelegenheit für eine Gehaltserhöhung nutzen. Mit den folgenden Punkten können Sie sich optimal auf das Gespräch vorbereiten:

1. Informieren Sie sich, wie die finanzielle Situation Ihres Unternehmens aussieht

Prüfen Sie genau die Ergebnisse des letzten Geschäftsberichts und die Zahlen des laufenden Jahres, um Ihren Spielraum abzuschätzen. Auch wenn die Zahlen nicht rosig sind, heißt das nicht, dass Sie auf eine Gehaltserhöhung verzichten müssen. Stärken Sie Ihre Position und verdeutlichen Sie der Geschäftsführung, dass Sie derjenige sind, der das Unternehmen aus der Krise führen kann!

2. Bewerten Sie Ihre Arbeit kritisch

Sammeln Sie Argumente und Beispiele, welchen Anteil Sie am Erfolg des Unternehmens haben und zeigen Sie, wie wichtig Ihre Person und Fähigkeiten für das Unternehmen sind.

3. Strukturieren Sie das Gespräch und Ihre Argumente

Damit Sie zu Beginn des Gesprächs Eindruck hinterlassen und es positiv gestalten können, tragen Sie direkt zu Beginn Ihr stärkstes Argument vor. Die Aufmerksamkeit der Geschäftsführung ist Ihnen jetzt sicher. Damit sich zum Abschluss der positive Gesamteindruck verfestigt, bereiten Sie als letzten Punkt noch ein besonders starkes Argument vor, das für Sie spricht.

Diese Argumente sollten Sie für die Gehaltsverhandlung parat haben:

Eigenschaft

Argument

Auffassungsgabe

Ich verstehe Zusammenhänge sehr schnell. Ich erkenne deshalb sofort, worauf es ankommt.

Urteilsfähigkeit

Ich treffe auch in schwierigen Fällen ein besonnenes und durchdachtes Urteil.

Initiative

Ich trage wesentlich zur Weiterentwicklung meines Bereiches / meiner Abteilung bei.

Belastbarkeit

Ich bin in der Lage auch bei hohem Arbeitsdruck ruhig und überlegt zu handeln und beste Arbeitsergebnisse zu erzielen.

Fachkenntnisse

Ich bin kompetent, auch im Vergleich zu anderen. Ich halte mich über Fachzeitschriften etc. ständig auf dem Laufenden.

Verantwortung

Ich übernehme gern Verantwortung.

Durchsetzungsfähigkeit

Ich kann andere von meinem Standpunkt überzeugen.

Ich hoffe, Sie haben sich einen guten Überblick über die Vergütung von Prokuristen verschaffen können und setzen unsere Informationen gewinnbringend bei Ihrer nächsten Gehaltsverhandlung ein!

Weitere Tipps zu diesem und anderen Thema finden Sie in Prokurist persönlich.