Finanzierung

Unternehmenskredite: So leisten Sie nicht mehr Sicherheiten als unbedingt nötig

Auch in Fragen der Finanzierung Ihres Unternehmens sind Sie als Prokurist mehr denn je gefragt. Gerade in Krisenzeiten sollten Sie die Finanzierungsmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen besonders genau unter die Lupe nehmen.

Die Kreditkonditionen werden in 2 Schritten festgelegt

1. Bonitätsrating

Beim Bonitätsrating wird zunächst die Wahrscheinlichkeit festgestellt, mit der Ihr Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (1 Jahr) ausfallen kann. Bewertet werden dabei quantitative und qualitative Faktoren mit unterschiedlichen Gewichtungen, unter anderem:

  • – Bilanzdaten
  • – Kontoführung
  • Ertragslage und Rentabilität
  • – Wettbewerbsstärke
  • – Managementqualitäten
  • – Controlling im Unternehmen
  • – Branchenzugehörigkeit
  • – Informationspolitik an die Bank

2. Transaktionsrating

In einem weiteren Schritt – auch teilweise unter dem Begriff Transaktionsrating bekannt – werden Ihre Sicherheiten berücksichtigt. Ihrer Bank geht es darum, das Risiko gering zu halten. Sicherheiten reduzieren die Höhe eines möglichen Verlusts. Je besser bzw. umfangreicher die Sicherheiten sind, desto geringer wird der Ausfall der Bank sein.
Die Ratingnote verändert sich durch Sicherheiten nicht, wohl aber die Konditionen. Einen voll besicherten Kredit können Sie beispielsweise – je nach Kreditart und Einstufung in eine Ratingklasse – zu 0,5 bis 1,5 Prozentpunkte günstigeren Zinsen bekommen als einen ungesicherten Kredit (Blankokredit).

Welche Sicherheiten Sie einsetzen können

Maßgebend für die Einschätzung ist nicht nur, dass Sicherheiten vorhanden sind, sondern auch, um welche Sicherheiten es sich handelt. Beispielsweise ist eine Sicherungsübereignung von Forderungen meistens schwieriger zu bewerten als ein Firmengrundstück. Andere Sicherheiten wird die Bank nur sehr schwer oder gar nicht verwerten können, z. B. Spezialwerkzeuge oder individuelle auf die Anforderungen Ihres Unternehmens zugeschnittene Maschinen. Die Bank wird deshalb bei solchen Sicherheiten gegenüber dem Verkehrswert hohe Abschläge bei der Bewertung ansetzen. Grundsätzlich wird Ihre Bank jede Sicherheit von Ihnen akzeptieren, aber unterschiedlich bewerten. Es gibt aus Sicht der Bank „gute“, „akzeptierte“ und „schlechte (Not-)“ Sicherheiten. Letztere werden von der Bank nur akzeptiert, wenn keine anderen Sicherheiten vorhanden sind. Sie werden aber nur gering oder auch gar nicht angerechnet.

6 goldene Regeln für die Besicherung von Krediten

Wie für die Finanzierung selbst gibt es auch für die Besicherung goldene Regeln, die Sie für Ihre Unternehmenskredite einhalten sollten.

1. Fristenkongruenz beachten

Die Finanzierungsdauer sollte mit der Kapitalbindungsdauer übereinstimmen. In der Praxis bedeutet das: Langfristige Finanzierungen sollten durch langfristige Sicherheiten wie Grundschulden und Bürgschaften gesichert werden. Für kurzfristige Finanzierungen sollten Sie dagegen kurzfristige Sicherheiten wie Sicherheiten-Übertragungen von Warenlager oder Kraftfahrzeugen einsetzen.

2. Sicherheitsreserven vorhalten

Halten Sie Sicherheitenreserven vor, die Ihnen für den Fall von Nachsicherungen oder eines Liquiditätsengpasses zur Verfügung stehen. Bauen Sie z. B. Liquiditätsreserven bei einer weiteren Bank auf, bei denen Ihr Unternehmen keineKredite unterhält.

3. Persönliche Bürgschaft begrenzen

Wenn Ihre Gesellschafter Bürgschaften einbringen, begrenzen Sie diese auf einen Höchstbetrag. Vereinbaren Sie dies mit Ihrer Bank im Bürgschaftsvertrag.

4. Nicht benötigte Sicherheiten freigeben lassen

Sprechen Sie mit Ihrer Hausbank in regelmäßigen Abständen auch über die Freigabe von gestellten Sicherheiten. Sie haben einen Anspruch auf die Freigabe von Sicherheiten, wenn deren Wert den der gesicherten Forderungen deutlich übersteigt. Dies gilt insbesondere bei der Abtretung von Forderungen und Warenlager. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass eine Besicherung in Höhe von 110 % des Kredits noch gerechtfertigt ist. Beim Wertansatz der Sicherheit ist allerdings nicht vom Nenn- oder Anschaffungswert, sondern vom aktuell am Markt erzielbaren Wert im Fall einer Verwertung auszugehen. Als Faustformel hat der BGH vorgegeben: Übersteigt der Nennwert der Sicherheiten jedoch 150 % des Kredits, kann auf jeden Fall von einer Übersicherung ausgegangen werden. In diesem Fall muss die Bank Sicherheiten freigeben (BGH, 27.11.1997, Az. GSZ 01/97 und 02/97).

5. Frei gewordene Grundschulden nutzen

Wenn Ihr Unternehmen als Sicherheiten Grundschulden gestellt hat, überprüfen Sie regelmäßig, welcher Anteil der eingetragenen Grundschuld durch Ihre Tilgungsleistungen wieder frei geworden ist. Bei einer Neuaufnahme oder Aufstockung von Firmenkrediten nutzen Sie diese Freiräume zur Besicherung.

6. Sicherheiten auf Kredite begrenzen

Handeln Sie mit der Bank aus, dass Sicherheiten nur für jeweils einen bestimmtenKredit gelten und nicht für alle Verbindlichkeiten Ihres Unternehmens gegenüber der Bank genutzt werden dürfen. Mit Tilgung des betreffenden Kredits werden die Sicherheiten dann automatisch wieder frei.